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Sternhimmel August 2010
Nachdem uns im Juli eine Urlaubsreise unter den Sternhimmel der nördlichen Länder führte, soll uns im August eine Reise zunächst auf die südliche Halbkugel bringen. Wie wir wissen, reisen wir damit in den Südwinter, denn die schief stehende Erde wird jetzt auf ihrer südlichen Hälfte nur von ziemlich flach einfallenden Sonnenstrahlen erreicht. Damit gewinnt unser Planet dort nur wenig Wärmeenergie. Wenn wir dagegen am Jahresende auf der Nordhalbkugel Winter haben, geraten die Australier beim Schmücken des Weihnachtsbaumes ins Schwitzen. Wer aber nicht soweit nach Süden will, sondern von der Natur der Tropen begeistert ist, wird kein Jahreszeiten- klima wie bei uns antreffen, sondern nur mehr oder weniger ausgeprägte Regen – und Trockenzeiten. Die Savannen im südlichen Afrika sind jetzt besonders von Interesse. Es herrscht Trockenzeit und das Großwild muss die wenigen Wasserstellen aufsuchen. Dort kann man Gnus, Zebras, Antilopen und Elefanten gut beobachten. Schuld an dem Wechsel von Regen – und Trockenzeiten ist unsere Sonne, die bekanntlich nur zwischen den Wendekreisen, also den Tropen, im Zenit stehen kann. Der Zenitalstand der Sonne verursacht eine starke Erwärmung des Erdbodens. Die über dem Boden liegende erhitzte Luft steigt am Nachmittag rasch nach oben und reißt damit auch die Luftfeuchtigkeit in große Höhen, wo sie kondensiert. Es entwickeln sich deshalb regelmäßig Gewitter mit heftigen Niederschlägen in den Regenwäldern und Savannen. Dieser Niederschlag, der Zenitalregen genannt wird, wandert mit dem Zenitalstand der Sonne im Laufe eines Jahres zwischen den Wendekreisen hin und her. Am 21. Dezember steht die Sonne über dem südlichen Wendekreis im Zenit, was dann im südlichen Savannengürtel zur Regenzeit führt, jetzt herrscht dort hingegen wie gesagt Trockenzeit. Egal, wann man in die Tropen reist, man wird immer wieder überrascht sein, wie schnell und wie zeitig aus dem tropischen Tag die geheimnisvolle tropische Nacht wird. Während die Dämmerung an unseren Sommerabenden Stunden dauert, ist es in den Tropen schon eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang (etwa 18.30 Uhr) möglich, die ersten Sterne zu sehen. Wenn dann nach einer guten Stunde die astronomische Dämmerung beendet ist, kann man die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht bewundern. Dunkelwolken aus galaktischem Staub gliedern sie in leuchtende Bänder. Ist man jetzt südlich des Äquators, findet man die scheinbare Sonnenbahn (Ekliptik) mit ihren Tierkreissternbildern nicht wie bei uns über dem Südhorizont, sondern am nördlichen Himmel. Die Sonne steht mittags nicht im Süden, sondern im Norden. Nachts wird man unseren Polarstern dort vergeblich suchen. Sternbilder, die man von zu Hause nicht kennt, muss man mit einer Sternkarte erst identifizieren, um das Segel, den Schiffskiel, den Bildhauer oder den chemischen Ofen ausmachen zu können. Weniger Mühe macht uns der Zentauer, der durch den dritthellsten Stern am gesamten Himmel, den Alpha Centauri kenntlich gemacht wird. Mit nur 4,4 Lichtjahren ist er der zweitnächste aller Fixsterne. Unmittelbar beim Zentauer findet man das kleine Sternbild Crux (Kreuz des Südens). Es ist so auffallend, dass es die Flaggen südlicher Staaten, wie z. B. Brasilien oder Australien schmückt. Da es am Himmelssüdpol keinen Polarstern für die Orientierung gibt, behalfen sich die Seefahrer früher mit dem Kreuz des Südens, denn die Hauptachse des Kreuzes zeigt ziemlich genau zum Himmelssüdpol. Unser Himmelsfoto zeigt eine Erscheinung, die man in den Tropen kaum sehen kann. Die so genannten „leuchtenden Nachtwolken“ kann man nur in den gemäßigten Breiten sehen, wenn die Sonne im Sommer flach unter dem nächtlichen Horizont steht. Ihre Strahlen beleuchten dann noch den Sternschnuppenstaub und die Eiskristalle in 80 bis 90 Kilometern Höhe, wenn auf der Erde schon Dunkelheit herrscht.
Michael Rebhan (Verein Suhler Sternfreunde)
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